Artikel-von-2001
Urtümliches Tüten, Hornen und Blasen
Aus dem Prattler Anzeiger (16.2.2001, Text von Claus Perrig)

Zwei Gruppierungen gibt es in Pratteln, die sich dem Brauchtum des Hornens verschrieben haben. Die Hornbuebe Alti Garde und die Horngruppe Hagebächli. Jedes Jahr zur Fasnachtszeit ist das dumpfe Hornen schaurig schön in den dunklen Gassen und Plätzen des alten Dorfkerns zu hören.

Die Hornbuebe Alti . Garde (Präsident Martin Suter) baute früher zur Hauptsache immer einen grossen Wagen an der Fasnacht und vernachlässigte das eigentliche Hornen.

Franco Chiesa und Walter Kohler, ehemaliger Gemeindepräsident und Initiant der Neuaktivierung der Prattler Fasnacht, fragten um 1965 einige Prattler an, ob sie eine neue Gruppe bilden würden, um das alte, lokale Brauchtum zu erhalten. Dabei war Franco Chiesa für die Kuhhörner aus Afrika besorgt. Die Hörner einheimischer Schweizer Kühe waren nicht mehr geeignet und gaben kaum mehr brauchbare Hörner. «Aber auch von Afrika Hörner zu besorgen, ist nicht mehr einfach», erklärt Paul Gass, Gründungsmitglied und ehemaliger Obmann der Horngruppe Hagebächli. «Die kleinen Stüpfi der heutigen Kühe kann man nicht mehr brauchen. Das Horn benötigt eine gewisse Länge und auch der Schallbecher muss eine bestimmte Dimension- aufweisen. Wir haben nun wieder etwas Reserve. Wer ein Horn will, muss sich jedoch für einige Zeit bei uns zum Mithornen verpflichten», meint Paul Gass, der sich intensiv für den alten Brauch und dessen Erhaltung engagiert.

Früher wurden die Kuhhörner von Prattler Metzgern erstanden. In jüngerer Zeit sind es nun die Hörner von Watussi-Rindern oder selbst von Gazellen. Das rohe Horn wird ausgekocht, damit das Mark entfernt werden kann. Nun wird das Mundstück gebohrt, wobei die Grösse des Bohrloches für die Hervorbringung der bis zu drei verschiedenen Töne ausschlaggebend ist. Darauf werden die Unebenheiten an der Aussenseite mit Glasscherben, Feile und Schleifpapier fein poliert, alles lackiert, mit dem Prattler Wappen verziert und mit einer gelb-schwarzen Kordel in den Prattler Farben zur Halterung versehen. Die Erstellung eines schön hergerichteten Hornes benötigt ungefähr sechs bis acht Stunden Arbeitszeit und ist der Stolz eines jeden Besitzers. Absoluter Meister in der Herstellung solcher Instrumente ist Hans Rebmann (Siehe PA vom 22. Januar 1999).

Zwei Vereine widmen sich dem überkommenen Brauchtum: Die Hornbuebe Alti Garde war der Verein ausschliesslich mit den Jahrgängen 1912, 13 und 14, der in seinen Reihen nur eingesessene Alt-Prattler wollte. Die zweite Vereinigung, die Horngruppe Hagebächli (Obmann Ruedi Sutter, Badmeister im Schwimmbad Pratteln), wurde 1966 gegründet und galt als der Verein, der sich schwergewichtig dem Erhalt des eigentlichen Brauchtums widmete und intensiv um Nachwuchs bemüht war. Heute besitzen beide Vereine jüngere Mitglieder. Besonders Paul Gass als Mitbegründer und 1. Kassier während 20 Jahren drängte immer darauf, dass vor allem gehornt und nicht nur der «Lööli an der Fasnacht gemacht wird »

Die Melodien'

„Schuufle und Charscht“ war zwei Jahre lang der erste Name der Horngruppe Hagebächli. , Der Reim steht auch für eine der drei Melodien. und tönt «Tütütü-Tüü, Ttitütü-Tuü» . Schaufel und Karst sind. Werkzeuge, die bei der Rebenarbeit gebraucht werden. Eine weitere Melodie ist der «Rümpler» und die dritte folgt den Versen «D Müllere het si het...»

Die Alti Garde versucht auch. moderne Melodien wie etwa den «Bolero» oder die: Begleitung zum - Prattler Lied zu spielen. Zudem verwenden die Altgardisten auch die «Chläppere», die es ebenso beispielsweise im Schwarzwald gibt. «Woher das kommt, weiss, ich nicht genau», meint Paul Gass «Vermutlich hat es- auch mit Heidnischem, Hexenverjagen und Winteraustreiben zu tun.»

Die Herleitung aus heidnischer Zeit ist Paul Gass. wichtig, und tapfer hilft 'er jeweils mit, die bösen Hexen zu verjagen und den Winter auszutreiben. Doch heutzutage würde wohl mancher viel dafür geben, wenn die Hornbuebe' wieder einmal einen richtigen Winter herbei blasen könnten.

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